Der Träger kümmert sich richtig um uns

Gabriele Oehme ist bundesweit als externe Evaluatorin und Auditorin für Kitas tätig. Bei Kinder im Kiez hat sie im Auftrag von »KiQu-Qualität für Kitas« die Kitas im Heidekamp- und Petitweg sowie in der Karl-Vesper-Straße evaluiert. Ein Gespräch über die Vorreiterrolle Berliner Kitas und künftige Herausforderungen.

 

Frau Oehme, sind Berliner Kitas im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt?

Der Berliner Senat hat vor über zehn Jahren die bahnbrechende Entscheidung getroffen, alle fünf Jahre eine externe Evaluation mit ausgewählten Qualitätsbereichen – vom Personalmanagement bis zur Konzeption der Kitaarbeit – durchzuführen. Dies ist im Kitagesetz als Pflicht verankert worden, was es vergleichbar so in keinem anderen Bundesland gibt und sich sehr bei der Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität bewährt hat. Hinzu kommt, dass der zweite Fünfjahreszyklus bereits auf dem überarbeiteten Bildungsprogramm basiert, das seit 2014 gilt. Deshalb nehmen Berliner Kitas bei der Qualitätsentwicklung eine Vorreiterrolle ein.

 

Was machen sie besonders gut?

In meiner eigenen langjährigen Erfahrung als Pädagogin und Evaluatorin habe ich erlebt, wie sehr sich frühkindliche Bildung in den vergangenen 15 Jahren verändert hat und wie anders die Herausforderungen einer modernen frühpädagogischen Haltung sind. Das kann man bei den Kitas von Kinder im Kiez sehr gut ablesen in der konsequenten Umsetzung des situationsorientierten Ansatzes und der Konzentration auf das Kind und seinen individuellen Fragen und Interessen, aus denen sich die Arbeit mit dem Kind entwickelt. Eine wichtige Grundlage dafür ist das Berliner Bildungsprogramm. Ich halte das für ein sehr gut gelungenes und zeitgemäßes Fach- und Bildungsbuch. Und ich habe sehr das Gefühl, dass die Pädagog/-innen damit arbeiten und es als Leitfaden nutzen, um Bildung zu gestalten und Bildungsprozesse entsprechend initiieren zu können.

 

Was konnten Sie bei der Evaluierung bei Kinder im Kiez feststellen?

Was mich besonders beeindruckt: Ich habe sehr verschiedene Kitas erlebt, was zeigt, dass der Träger sehr verschiedene Profile und Ansätze zulässt. Mein Grundeindruck aus vielen Gesprächen ist, dass der Träger keine Folie über alle Kitas legt mit festen Gestaltungsvorgaben – mit Ausnahme der Grundhaltungen und Qualitätskriterien wie das Arbeiten mit den Bildungs- und Lerngeschichten und dem Portfolio. Jede Kita hat ihr individuelles Profil und ihre Historie.

 

Welche Themen beschäftigen den Träger und die Kitas besonders?

Es gibt ein extrem hohes Engagement von Kinder im Kiez sehr gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Ich habe in den Kitas viel bewusst und klug ausgewähltes Material gesehen, solides und nachhaltiges Mobiliar und tolle Bildungsräume. Es gibt ein gezieltes und gut durchdachtes bauliches Engagement mit einer enorm positiven Wirkung auf Kinder, Eltern und Personal, die bei allen drei Kitas stark ins Gespräch gekommen sind. Wie auch die nachhaltigen Erkenntnisse zu gesunder Ernährung aus dem Projekt »Gemeinsam gesund genießen«. Charakteristisch waren auch die beeindruckend hohe Mitarbeiterzufriedenheit und die Aussage von Leitungen und Pädagog/-innen »Der Träger kümmert sich richtig um uns«.

 

Wie sieht das konkret aus?

Die Gesundheitsfürsorge ist sehr gut alltäglich verankert. Momentan ist sie auch ein großes Thema bei der hohen Personalfluktuation und der hohen Personalbelastung. Das wird weiterhin zukünftig eine Herausforderung sein, die Grenzen der Belastbarkeit gegenüber der Politik deutlich zu machen. Ich wünsche dem Träger sehr, dass er bei seiner Haltung »Qualität statt Quantität« bleiben kann.

 

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